Teil 29
Erotische Realität, zwecks Feldstudie
Sa.22.08.1998
Es ist schon wesentlich kühler als in den letzten Wochen. Es war wirklich ein heißer Sommer, was die Temperaturen betrifft. Man kann sagen, dass sich der Sommer dem Ende entgegen geht. Habe schon Angst vor der kalten düsteren Zeit. Da sich bezüglich Freunde nicht sehr viel geändert hat, ist das ganze noch beschissener. Obwohl ich in der Firma jetzt doch etwas Abwechslung und sehr viel Beschäftigung habe, gibt es nach wie vor diese sinnierenden Stunden. Diese, wo ich mich dauernd Frage, warum? Warum dies und jenes nicht so läuft, wie ich mir das so wünsche. Kann es sein, dass ich die Story mit R. noch immer nicht ganz verkraftet habe? Wird das jemals ein Ende haben? Es gibt so viele Dinge, die ich mache und die mir wirklich Freude bereiten. Konzerte besuchen. Briefe schreiben. H. z.B. beglücke ich am 2.September schon ein Jahr mit meinen postalischen Werken. Man kann sagen, dass sich da eine gewisse Freundschaft entwickelt hat. Glaube schon, dass er einer der wenigen Leute ist, die ich kenne, die Wert auf sowas legen. H. schreibt nicht mehr. Warum, weiß ich nicht. F. hat auch stark nachgelassen. Aber der ist sowieso eine Ruine von Mensch. Ist es heute tatsächlich so schwer, längere Bekanntschaften zu finden? Solche, wo der Kontakt so halbwegs regelmäßig ist. In meinem Fall kommt mir das wirklich krass vor. Der Rest der übriggebliebenen Familie lässt auch sehr zu wünschen übrig. Wenn ich so recht überlege, ist der einzige regelmäßige Kontakt, so wie ich mir das vorstelle, mit M. Wem erzählt man seine alltäglichen Gedanken, wenn niemand da ist, außer seinem Tagebuch? Es ist zwar ganz gut, wenn einem niemand in seine Entscheidungen drein pfuscht, doch diese geringe Möglichkeit zu Kommunikation mach mich wahnsinnig. Manchmal kommt es mir so vor, als würde ich so manchen damit nerven. Sobald da eventuell wer Neue® auftaucht, überschütte ich ihn (sie) mit meinen Gedanken. Was ich z.B. bei R. aufgeführt habe, war wahrscheinlich auch wieder zu viel des Guten. Oder verstehen diejenigen nicht ganz, was ich will, und es ist ganz gut so, wenn keine Reaktion kommt. Brauche einen Menschen, der von mir was „will“. Der von mir profitiert. R. hat mir eigentlich nie so richtig gesagt, was es war, was er von mir benötigte. Aber es war Irgendwas. Vielleicht war es das, was ich heute brauche. Einen Menschen, auf den ich mehr oder weniger zählen kann. Gibt es noch Menschen in (ca.) meinem Alter, die noch an sowas glauben? Ohne das Ganze zu eng zu sehen?
Sa.12.09.1998
Gibt es das, dass ich fast ein Monat nichts mehr reingeschrieben habe? Gut so. Das bedeutet, viel beschäftigt. Arbeit, gestern und vorgestern wieder zwei Konzerte. Je 3 Stunden Hochgenuss des Dr.Kurt Ostbahn. Ja und da wären da noch die Sitzungen vor dem PC. Briefe schreiben usw. Beantworte seit neuesten, Annoncen vom Standard. Das macht Spaß. Kommunikation, ist das was ich brauche. In der Firma läuft das nicht so, wie ich mir das vorstellen würde. Da kann man nicht so plaudern, wie ich mir das vorstelle. Da laufen andere Spielregeln. Es gibt überhaupt so viele Einschränkungen in der Gesellschaft, die mir nicht behagen. Themen zu besprechen, wo so manch einer einen roten Kopf bekommt. Dabei wäre das alles so einfach. Wenn´s nicht so kompliziert gemacht werden würde. Zumindest sehe ich das so. Vielleicht haben diese Spielregeln irgendeinen Zweck zu erfüllen. So wie viele Dinge, die sich die Menschheit auferlegt hat. Geordnete Verhältnisse zu schaffen. Obwohl in manchen Bereichen hat das sicherlich auch nichts gebracht hat. Politik ist so ein Beispiel, ein absoluter Saustall, meiner Meinung nach. Ein Präsident schießt Raketen in einem Land ab, um von seinen privaten Problemen ab zu lenken. Aber, über sowas mache ich nur eh schon keine Gedanken mehr. Verrückt. Ein Arbeitskollege, hat jetzt einmal gesagt, dass er pessimistischer Realist ist. Was ist das? Eine persönliche Lebenseinstellung? Ein Schutzschild vor Gefahren dieser Welt und der Umwelt. Vielleicht Erfahrungen, die ihn geprägt haben. Site im Cafe Westend, warte auf ein Blind Date. Obwohl ich glaube, der sitzt die ganze Zeit eh schon da. Mach halt, wie schon so oft den ersten Schritt.
Do.15.10.1998
Es dürfte schon einige Zeit vergangen sein, als ich das letzte Mal was (hier) aufgeschrieben habe. Gestern habe ich wieder einmal das Wohnzimmer etwas umgestellt. Jetzt habe ich in meiner Musikecke noch mehr Platz. Ich kann es nicht oft genug beschreiben, diesen Klängen sich einfach hinzugeben. Irgendwie ein übersinnliches und erotisches. Absolut…hier müssten tausend Ausdrücke für wohltuend folgen, um dieses Gefühl zu beschreiben. Vielleicht ist es so wie, wenn man liebt. Bedingungslos. So wie my Everlasting-Love. Es ist fast unvorstellbar, dass das Alles, mittlerweile 2 Jahre zurück liegt. Eigentlich geht es mir so gut wie nie zuvor. Außer, dass ich schon wieder meinen Job verloren habe, und mein Konto zu Weihnachten wieder in Rot verbringen muss. Die gesteckten Ziele erreicht man halt nicht immer so schnell. Trotz der existentiellen Probleme fühle ich mich gut. Einige Konzerte wieder besucht. Ist jedes Mal wieder ein tolles Erlebnis. Zum letzten Eintrag. Der Junge ist sehr intelligent, gebildet und hat Connections zu einer gewissen Musikszene. Aber er steht, was das real Live betrifft, voll daneben. Da ich mir sowieso in einigen Bereichen, gewisse Dinge nicht mehr antue, war es bald klar, dass ich mit ihm sicher nicht lange auskomme. Dieser spezifisch, was den Liebesbereich betrifft, ist sowieso festgefahren in der Tatsache JA oder NEIN! Das heißt R. stirbt oder ist in meinem Herz nur mehr eine warme angenehme Erfahrung, oder nicht. Alternative gibt es nicht. M. sehe ich jetzt fast jeden Tag. Sie bekommt ein Baby. Ist vorzeitig freigestellt, wegen einiger Komplikationen. Das Bügeln bekomme ich jetzt von ihr bezahlt. Hätte es natürlich auch weiterhin gratis gemacht. Aber so ist Beiden geholfen. Das einzige was mich in letzter Zeit etwas zum Nachdenken bringt, ist mein Gewicht. Durch das relativ ruhige Leben, fresse ich viel zu viel und meist das Falsche. Sollte mehr Bewegung machen und weniger Naschen – ernsthaft. Möchte nächsten Sommer wieder den Bikini anziehen. Und sonst all die sexy Sachen, auf die ich die letzten Jahre verzichten musste. Vielleicht mach das Auto wirklich alles zwar etwas einfacher und schneller erreichbar, aber ziemlich faul. Hoffe halt nur, dass das jetzt nur der Winterspeck ist. H. schreibt brav jeden Montag. Doch jetzt ist ihm ein blöder Fehler passiert. Falscher Brief im falschen Kuvert. Oder umgekehrt. Momentan habe total softe Musik im Player – viel Gitarre – R. – ich habe Deine 10 begnadeten Finger angebetet. Das waren immer Stunden, die mich total high gemacht haben. Aber leider hatte ich da noch nicht die Kraft zum Leben, wie jetzt. Dieses einzigartige Gefühl, alles zu erreichen, was man will. Unschlagbar, aber doch nicht ganz unfehlbar zu sein. Positive Seiten, Situationen einfach zu genießen. Und das Negative zu relativieren. Trotz allem die Augen nicht zu verschließen vor den anfallenden Problemen und Sorgen des Tages. Sozusagen alles als Herausforderung zu sehen. Leute versuchen zu verstehen, akzeptieren und so zu nehmen, wie sie sind. Und umgekehrt, das Gleiche zu fordern.
Mo.??.Oktober 1998
Es ist 3 Uhr früh. Warum ich noch nicht schlafe, weiß ich nicht. Oder doch? Zu viele Gedanken in meinem Schädel. Wenn ich schlafen könnte, würden diese Staus in meinem Gehirn erspart bleiben. Falle ich schon wieder in dieselbe Scheisse, wo ich schon längst geglaubt habe, heraus zu sein. Kann nicht sein, die muss doch schon längst verdampft sein. Von den Fliegen gefressen und in Kompost verwandelt worden sein. Nach allen Seiten habe ich versucht, dies und jenes zu betrachten. Denke sogar nach wie vor, dass ich eigentlich einiges erreicht habe. Zumindest was meine Person selbst betrifft. Ganz einfach, dass ich mich kenne. Trotz dieser Konfrontation mit meinem eigenen Ich, kommen doch immer irgendwelche Zweifel auf. Habe ich noch immer den Mut, wirklich alle Dinge zu tun? Was steht da im Weg? Eigentlich die verdammte sogenannte Vernunft, die Verantwortung gegenüber ganz wenigen Menschen. Im Grunde genommen, eigentlich nur meinem Sohn gegenüber. Oder ist das nur eine Notbremse? Nein, ich denke, das ist schon ein realistischer Grund. Vielleicht ist es auch gut so, weil ich weiß, oder zumindest im kleineren Ausmaß, was ich so treibe, wenn er nicht da ist. Es ist nichts Verbotenes oder total Unsinniges. Es ist nur das Einfangen von positiven Gefühlen. Und wo kann ich die anderswo finden, als bei Konzerten? Unterwegs zu sein. Menschen zu beobachten und kennen zu lernen. Kommunizieren. Spaß zu haben. Diese kleine Unabhängigkeit vom Alltag zu spüren. Jetzt wo ich wieder mal keinen Job habe, und ich eigentlich schon wieder irgendwie weiß, dass das nicht so weitergehen kann, fühle ich trotz alldem, keine Angst, so wie beim letzten Mal. Es ist mehr die Perspektive vielleicht größer als zuvor. Auch wenn es natürlich von Anderen nicht so gesehen wird. Verschließe mich natürlich nicht ganz den, was mir jemand sagt, aber ich weiß doch genau, was ich nicht will. Oder bin ich für gewisse Dinge nicht bereit? Aber warum soll ich Dinge akzeptieren, die ganz einfach nicht passen. Wenn man so, wie ich, die absolut direkte und ehrliche Art vertritt, ist es ziemlich anstrengend konstante Bekanntschaften zu halten. Vielleicht bin ich eine Einzelgängerin, vielleicht gehöre ich zu der Sorte Mensch, die immer glaubt am Beginn des Stromes mehr zu bekommen. Bezweifle damit nicht meine Einstellungen zu gewissen Dingen, doch man hat bald einen Stempel. Eine Kategorie Mensch, die nicht sehr viel von Anpassung hält. Und doch nicht ganz den Mut hat, alles, wirklich alles durch zuziehen. Braucht man wirklich ein Ziel!? Genügen nicht Etappen auch. Stückchenweise dort hin zukommen – wohin eigentlich? Ist man den nicht schon am richtigen Ort? Hat das nicht eher was mit Zeit zu tun? Wo die Meisten eigentlich immer nur den Wunsch haben, dass sie vorbeigeht. Warum eigentlich? Ist jetzt alles falsch, ist es morgen anders? Gestern war es doch schon so. Oder ist es wirklich nur eine Frage der Akzeptanz, gewisse Dinge so zu betrachten, als Tatsache. Ohne irgendein Fragezeichen. Warum fällt mir das so schwer? Habe ja eigentlich das Vokabel WARUM aus meinem Sprachschatz gestrichen. Und trotzdem taucht es immer wieder auf. Wahrscheinlich gibt es auf Fragen die vom Herz kommen, keine konkrete Antwort. Oder die Lösung kommt durch ein anderes Gefühl. Vielleicht bin ich ganz einfach zu ungeduldig. Das passt wieder zu den so wie ich mich sehe – Teenager mit zu viel Hirn und viel zu viel Gefühl. Möchte das auch gar nicht ändern. Die Grenzen meiner ungestümen Art setzen sich von alleine. Kann einem ein Glaube in den Wahnsinn treiben? Was soll ich dazu noch sagen? Ich werde es dann schon merken, so weit bin ich. Wenn ich mit den halben Füssen schon über dem Abgrund stehe. Dann, wenn es eigentlich nur mehr den Schritt zurück gibt. Man kann ja den Abgrund den Rücken zeigen, und in eine andere Richtung wandern.
Di.27.10.1998
Das Leben ist wirklich voller Überraschungen.
Jeder Tag ist wie ein Paket, das man morgens langsam öffnet, und am Abend dann mit großen Augen vor dem Inhalt steht, wie ein Kind vor dem Christbaum.
Da meine Entscheidungen nach wie vor von Innen her getroffen werden, ist das Ganze noch faszinierender für mich. Am Sonntag fuhr ich, wie beschlossen, ins Rockhouse, um das Konzert der Stardust Babies zu sehen. Besser gesagt, W. Der Gitarrist, der mir vergangenen Sommer, irgendwie ein bisschen gezeigt hat, dass die Liebe, oder dieses absolute Gefühl der Vertrautheit, wieder passieren kann. Wollte ganz einfach wissen, was geschieht. Es war wieder einer dieser sagenhaften Momente, die man nur schwer in Worte verwandeln kann. Mit einer Rose bewaffnet, spazierte ich zur Bühne, und ging spontan in Richtung…W. Er war ziemlich von den Socken. Positiv, voller Freude. Ihn in die Augen zu blicken, machten alle meine Vorsätze, ihn etwas sagen zu wollen, zunichte. Es war, als würde überhaupt keine Zeit dazwischen gewesen sein. Er überschüttete mich mit Neuigkeiten und mit tausend Entschuldigungen, warum er sich nicht mehr gemeldet hat. Ob wahr oder nicht, ganz ohne Spuren in seinem Empfindungen zu mir dürfte es nicht gewesen sein. Nach dem Auftritt trafen wir uns noch im Cafe. Er hat gewusst, dass ich was auf dem Herzen habe. Außerdem wollte er die Rose. Habe sie ihm dann auch gegeben. Vor dem Konzert hat er mir erzählt, dass er jetzt eine gute Beziehung hat. Das hat mir verdammt weh getan. Aber als ich dann mit Übergabe der Rose ihm, mehr oder weniger, meine Gefühle mitgeteilt habe, dürfte er doch etwas beeindruckt und überrascht gewesen sein. Mit einer gewissen Wehmut und so irgendwie mit der Frage, „…habe ich was verpasse?“, versprach er mir sich zu melden, und wollte mir seine Telefonnummer geben. Habe es aber gelassen, und ihm meine Karte gegeben. Denke, das ist besser so. Abwarten und Tee trinken, besser Kaffee, so wie jetzt. Es war ein total tolles Gefühl, das zu Erleben. Solche Momente vergisst man sicher nicht so schnell. Dass das Ganze nicht ohne Schmerz an mir vorüber gegangen ist, merkte ich dann anschließend, als ich mein Auto nicht gleich finden konnte. Wusste aber, dass ich sicher nicht nach Hause fahre. Also ab ins Krah. Die Stätte meiner Verdauungsarbeit diverser seelischer Tiefschläge. Ein Budweiser, ein großes Brot. Diesmal sitzend. Nicht zum Grübeln, aber doch irgendwie zur Ablenkung, war das wohltuend. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass ich beobachtet wurde. Fast schon aus Gewohnheit, ging ich dann ins Stamperl. An der Bar beobachtete ich, wie immer, die Leute und überlegte mir irgendwie, wie oft ich mir bezüglich Lovestorys noch den Schädel anrennen soll, bis ich kapier, dass man das Glück nicht zwingen kann. Nach ca. 1 Stunde, beschloss ich eigentlich schön langsam heimwärts zu fahren. Aber, da war jemand, der mich anredete. Im ersten Moment, wollte ich eigentlich nicht viel reden. Doch das Gespräch war vielversprechend. Und er auch. Ich meine als Mensch. Weil, eigentlich wollte ich heute sicherlich nichts weniger, als eine dieser vielen Sexnächte, die im Rausch, zu Verwirrung bei den Männern führen. Wo dann hunderte Schwüre los gelassen werden, …und Tschüss das war es dann. Wenn es von mir gesteuert wird, kein Problem, aber wenn dann mehr Gefühl ins Spiel kommt, wird es gefährlich. Vielleicht war die Begründung von E. auch ausschlaggebend dafür, dass ich beschloss, ihn nach Hause zu bringen, und dann zu sehen, was kommt von ihm. Er hat mir gesagt, dass er fasziniert von mir ist; mein Wesen, eine Handbewegung über meine Haare hat ihn so beeindruckt, dass er sich mich total eingeprägt hat. Er wusste, dass er mich unbedingt ansprechen muss, und wenn es irgendwann gewesen wäre. Klingt verrückt, aber ich war beeindruckt. Es wurde daraus über 20 Stunden dauernder Ausflug in eines dieser Dimensionen, die nicht auf dieser Erde vorhanden sind. Die Frage innerhalb so kurzer Zeit sein Herz wieder zu verschenken, geht das? Es ist wahrscheinlich zu früh. Muss, wie schon gelernt, geduldig sein. Den richtigen Zeitpunkt zu finden, meine gesamten Gefühle zu vergeben, abwarten. Es fällt mir nicht leicht. Habe ihm das auch gesagt und ich weiß auch nicht ganz genau, ob er das alles hören will. Denke, wenn da was ist, fühlt er es auch. Außerdem, wie meist, ist er bezüglich Lovestorys anscheinend auch nicht ganz ungeschädigt. Werde mich so gut, wie möglich davor hüten, darin herum zu stochern. Die Zeit wird die Antwort in diesem Fall wieder geben. Was meine Ansprüche bezüglich gewisser Dinge betrifft, gibt es bis jetzt nichts, was wirklich Anti wäre. Jetzt aus irgendwelchen Taten oder Worten etwas zu deuten, ist sicher zu früh. Vielleicht rufe ich ihn morgen an. Es ist alles noch zu frisch. Der Rausch, die neue Faszination an einen Menschen, der einen Platz in meinem Herz hätte. Vielleicht ist mein Herz zu groß, zu erwartungsvoll, zu offen, zu süchtig nach Liebe oder das, was ich halt so gerne fühle. Das zweite Mal wird entscheiden, ob ich mit total hingeben will, den absoluten Gefühlen. Wenn´s nicht sein wird…weiß nicht, glaube trotzdem, dass es die Liebe gibt. Möchte aber nicht immer nur geben, ich will sie auch empfangen. Die wenigen vorsichtigen Andeutungen bezüglich Gefühle zu mir, sind ganz einfach zu wenig. Es reicht nicht. Deshalb nicht, weil ich nicht zu viele Cuts in meinem Herz haben möchte. Auch wenn ich das schon irgendwie schaffe, wieder aus diesen Pfeilen in mir, neue Kraft zu schöpfen. Eines wäre auch schön, wenn bezüglich R., auch sowas wie eine Klarheit, geben könnte. So wie bei W. Weil, wenn ich wüsste, dass er es geschafft hat, sein Glück zu finden, wäre es zwar auch schmerzhaft, aber zugleich auch beruhigend. „Someday, I´ll be worthy“ – Soraya, wie Recht du hast. R., du hast das alles schon erlebt, und dadurch gewusst. Einen Platz habe ich wahrscheinlich in mir für ihn für immer. Man kann das zwar heute nicht beschließen, aber es fühlen. Auch E. wird seine Warnung auf seinem Spiegel vergessen, verarbeiten, wenn er wieder fühlt. Sicherheit und Vertrauen aufs Neue zu finden. Vielleicht bin ich eine kleine Hoffnung, eine kleine Stufe dorthin. Das wäre schon schön.
Mo.02.11.1998
Diese Feder dürfte vorerst den Geist aufgeben. Habe am Sonntag wieder therapeutische Bilder gemalt.. Weil, warum? Zu viele verwirrende Gefühle in mir. E. hat zwar angerufen, aber wir trafen uns erst am Sonntag. Bin ich zu ungeduldig: Kann ich nicht akzeptieren, dass der Andere nicht so viel Zeit hat? Oder ist es der gleiche Egoismus, den ich jetzt habe? Will ganz einfach vermisst werden, oder? Dasselbe Gefühl empfangen, das ich hergebe. Wiegesagt, Sonntag sahen wir uns. Wir gingen was Essen. Und anschließend ins Kino. Zorro! Hätte mir diesen Film sich von mir aus, nicht angesehen. Überraschender Weise war er wirklich gut gemacht. Nach dem Film waren wir im Jazzcafe. Dor habe ich versucht, seine Person etwas zu ergründen. Nicht einfach. Soviel er über seine Firma, sein Studium oder Freunde erzählt, so wenig durchblicke ich sein Gefühlsleben. Wenn ich das schonwieder einmal durchdenke, irgendwie, passe ich nicht so ganz in sein Leben. Denke nicht, dass das zu früh ist. Mein Spürsinn hat mich bis jetzt nicht im Stich gelassen. Die Gefühle, die von ihm kommen sind stark. Aber irgendwie will oder kann er sie nicht ganz raus lassen. Verständlicherweise hat er nicht viel Zeit. Seine Selbstständigkeit bezüglich seines ganz jungen Geschäftes, nimmt ihn sehr in Anspruch. Habe ich schonwieder zu viel Zeit über solche Dinge nach zudenken; oder überhaupt mir anderer Leute Kopf zu zerbrechen. Vielleicht sollte ich in solchen Angelegenheiten wirklich sowas wie eine Bilanz aufstellen. Plus und Minus aufschreiben. Und dann für mich entscheiden. Überlegungen ob es nun tatsächlich die jeweilige Person betrifft, oder die ungestillten und unerfüllten Gewinne bei solchen.
Do.05.11.1998
Wenn ich jetzt schreibe, was ich gerade tue, so um 23:30 Uhr herum, ist es das was ich schon so oft in unzähligen Nächten getan habe. Gebe mich der Magie der unglaublichen Klänge der Musik hin. Now – Eric – Slowhand – Clapton. Es wäre gelogen, wenn ich damit nicht wieder einige schöne Stunden mit Menschen verbracht habe. Und diese, wieder wie ein Film ablaufen. Der Zusammenhang gewisser Musik, mit gewissen Lebenssituationen ist bei mir nicht weg zudenken. Was geht mir heute schonwieder durch den Kopf? Habe ich da nicht schon tausendmal durchdacht. Diese verdammt viele Zeit, ohne Beschäftigung. Möchte endlich doch sowas, wie Alltag haben. Was zu tun um mir die Zeit anders zu vertreiben, ist zwecks der finanziellen Lage eher schwierig. Kann nicht alles tun, was ich will. Sonst wäre ich sicher nicht so viel zu Hause. Außerdem habe ich am Dienstag einen seltsamen Anruf auf dem AB gehabt. Stimme – konnte ich nicht identifizieren. S. hat es gelöscht. Vielleicht wäre ich nach Öfteren Abspielen dahinter gekommen, wer da so blöd ist. „Hallo, hallo, du warst a bissl…, dann ein herzhafter Rülpser. Hat das Alles einen Zusammenhang? Auto, Zettel, Telefon? Heute habe ich kurz mit F.J. telefoniert. Er hat mir erklärt, wo der Falco am Friedhof liegt. Außerdem habe ich dem H. aus Innsbruck einen Brief geschrieben. Zusammen mit einer Pauli-CD schicke ich es morgen ab, weil, warum? Montag hat er Geburtstag. Eigentlich ist es seltsam. Wenn ich mir überlege, wie ich mit den Menschen umgehe, müsste ich viel mehr Leute kennen. Oder kenne ich die falschen Leute? Abgesehen von M., die irgendwie schon so eine Ersatzmama geworden ist, lässt der Rest sehr zu wünschen übrig. Und so eine große Schulter, wie R., werde ich wahrscheinlich auch nicht so bald wieder finden. Wenn es sowas überhaupt ein zweites Mal gibt. Manchmal fällt es mir schon schwer, daran zu glauben. Gestern habe ich mir so durch überlegt, was ich zu Silvester machen werde. Eine Party schmeißen wäre toll. Nur, mit wem?, mit den Menschen, die sich einen Dreck um mich scheren. Nein? Ein Inserat im Bazar oder Standard. Ein paar auch einsame Leute selektieren. Wäre doch irgendwie witzig. Und mein zweiter Gedanke, in Richtung DJ-Ambitionen. Lokale fragen, Annonce? Einen Versuch, wäre es Wert. Möchte unter Leute sein. Anerkennung, Kritik, Kommunikation, Kontakte ganz einfach Reaktionen erfahren. Meine Person und Persönlichkeit in die Öffentlichkeit bringen. Weiß doch, dass ich für manche Leute, schon was Faszinierendes bin. Auch wenn es diese Faszination oft nur für kurze Zeit gibt, sie ist rüber gekommen. Vielleicht sin die Menschen heute alle schon so misstrauisch, dass sie meine Ehrlichkeit und Offenheit nicht mehr für real halten. Oder meine Anforderungen sind zu groß. Das glaube ich aber auch nicht, weil ohne diese Wünsche, würde ich mich noch mehr verletzen. Und habe nicht vor, mich seelisch um zubringen. Vergangenes Wochenende mit E. war o.k. Seltsamerweise ging mir aber irgendwas ab. Nicht, dass er nicht nett zu mir war, aber es dürfte die Schweigsamkeit bezüglich Gefühle sein, die mich stört. Ich weiß schon, dass nicht jeder über Alles, so wie ich reden kann, aber doch etwas ein bisschen, wäre doch wünschenswert. Wenn in Zukunft nicht mehr kommt, ist das Ganze wahrscheinlich auch wieder Historie. M. hat auch schon gemeint, dass ich zu ungeduldig bin. Aber was soll ich machen, mein Übersinn, weiß es halt immer schon vorher. Wünsche und Realität unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht. Doch mein Glaube daran, führt mich schon dort hin, oder er bringt mich um. Ablenkungsmanöver sind sinnlos. Meine verzweigten Gedanken in alle Richtungen werden immer alles hinterfragen. Auch, wenn sie wahrscheinlich bei R. alles zerstört haben. Hey, Kavalier, geht es Dir eh gut? Ich denke an Dich. Du fehlst mir. Eigentlich habe ich mich schon gewundert, ihn auf keinem einzigen OBK-Konzert getroffen zu haben. Auch nicht beim Heli. Der Blues rennt übern´n Bahnhof…
Sa.22.08.1998
Es ist schon wesentlich kühler als in den letzten Wochen. Es war wirklich ein heißer Sommer, was die Temperaturen betrifft. Man kann sagen, dass sich der Sommer dem Ende entgegen geht. Habe schon Angst vor der kalten düsteren Zeit. Da sich bezüglich Freunde nicht sehr viel geändert hat, ist das ganze noch beschissener. Obwohl ich in der Firma jetzt doch etwas Abwechslung und sehr viel Beschäftigung habe, gibt es nach wie vor diese sinnierenden Stunden. Diese, wo ich mich dauernd Frage, warum? Warum dies und jenes nicht so läuft, wie ich mir das so wünsche. Kann es sein, dass ich die Story mit R. noch immer nicht ganz verkraftet habe? Wird das jemals ein Ende haben? Es gibt so viele Dinge, die ich mache und die mir wirklich Freude bereiten. Konzerte besuchen. Briefe schreiben. H. z.B. beglücke ich am 2.September schon ein Jahr mit meinen postalischen Werken. Man kann sagen, dass sich da eine gewisse Freundschaft entwickelt hat. Glaube schon, dass er einer der wenigen Leute ist, die ich kenne, die Wert auf sowas legen. H. schreibt nicht mehr. Warum, weiß ich nicht. F. hat auch stark nachgelassen. Aber der ist sowieso eine Ruine von Mensch. Ist es heute tatsächlich so schwer, längere Bekanntschaften zu finden? Solche, wo der Kontakt so halbwegs regelmäßig ist. In meinem Fall kommt mir das wirklich krass vor. Der Rest der übriggebliebenen Familie lässt auch sehr zu wünschen übrig. Wenn ich so recht überlege, ist der einzige regelmäßige Kontakt, so wie ich mir das vorstelle, mit M. Wem erzählt man seine alltäglichen Gedanken, wenn niemand da ist, außer seinem Tagebuch? Es ist zwar ganz gut, wenn einem niemand in seine Entscheidungen drein pfuscht, doch diese geringe Möglichkeit zu Kommunikation mach mich wahnsinnig. Manchmal kommt es mir so vor, als würde ich so manchen damit nerven. Sobald da eventuell wer Neue® auftaucht, überschütte ich ihn (sie) mit meinen Gedanken. Was ich z.B. bei R. aufgeführt habe, war wahrscheinlich auch wieder zu viel des Guten. Oder verstehen diejenigen nicht ganz, was ich will, und es ist ganz gut so, wenn keine Reaktion kommt. Brauche einen Menschen, der von mir was „will“. Der von mir profitiert. R. hat mir eigentlich nie so richtig gesagt, was es war, was er von mir benötigte. Aber es war Irgendwas. Vielleicht war es das, was ich heute brauche. Einen Menschen, auf den ich mehr oder weniger zählen kann. Gibt es noch Menschen in (ca.) meinem Alter, die noch an sowas glauben? Ohne das Ganze zu eng zu sehen?
Sa.12.09.1998
Gibt es das, dass ich fast ein Monat nichts mehr reingeschrieben habe? Gut so. Das bedeutet, viel beschäftigt. Arbeit, gestern und vorgestern wieder zwei Konzerte. Je 3 Stunden Hochgenuss des Dr.Kurt Ostbahn. Ja und da wären da noch die Sitzungen vor dem PC. Briefe schreiben usw. Beantworte seit neuesten, Annoncen vom Standard. Das macht Spaß. Kommunikation, ist das was ich brauche. In der Firma läuft das nicht so, wie ich mir das vorstellen würde. Da kann man nicht so plaudern, wie ich mir das vorstelle. Da laufen andere Spielregeln. Es gibt überhaupt so viele Einschränkungen in der Gesellschaft, die mir nicht behagen. Themen zu besprechen, wo so manch einer einen roten Kopf bekommt. Dabei wäre das alles so einfach. Wenn´s nicht so kompliziert gemacht werden würde. Zumindest sehe ich das so. Vielleicht haben diese Spielregeln irgendeinen Zweck zu erfüllen. So wie viele Dinge, die sich die Menschheit auferlegt hat. Geordnete Verhältnisse zu schaffen. Obwohl in manchen Bereichen hat das sicherlich auch nichts gebracht hat. Politik ist so ein Beispiel, ein absoluter Saustall, meiner Meinung nach. Ein Präsident schießt Raketen in einem Land ab, um von seinen privaten Problemen ab zu lenken. Aber, über sowas mache ich nur eh schon keine Gedanken mehr. Verrückt. Ein Arbeitskollege, hat jetzt einmal gesagt, dass er pessimistischer Realist ist. Was ist das? Eine persönliche Lebenseinstellung? Ein Schutzschild vor Gefahren dieser Welt und der Umwelt. Vielleicht Erfahrungen, die ihn geprägt haben. Site im Cafe Westend, warte auf ein Blind Date. Obwohl ich glaube, der sitzt die ganze Zeit eh schon da. Mach halt, wie schon so oft den ersten Schritt.
Do.15.10.1998
Es dürfte schon einige Zeit vergangen sein, als ich das letzte Mal was (hier) aufgeschrieben habe. Gestern habe ich wieder einmal das Wohnzimmer etwas umgestellt. Jetzt habe ich in meiner Musikecke noch mehr Platz. Ich kann es nicht oft genug beschreiben, diesen Klängen sich einfach hinzugeben. Irgendwie ein übersinnliches und erotisches. Absolut…hier müssten tausend Ausdrücke für wohltuend folgen, um dieses Gefühl zu beschreiben. Vielleicht ist es so wie, wenn man liebt. Bedingungslos. So wie my Everlasting-Love. Es ist fast unvorstellbar, dass das Alles, mittlerweile 2 Jahre zurück liegt. Eigentlich geht es mir so gut wie nie zuvor. Außer, dass ich schon wieder meinen Job verloren habe, und mein Konto zu Weihnachten wieder in Rot verbringen muss. Die gesteckten Ziele erreicht man halt nicht immer so schnell. Trotz der existentiellen Probleme fühle ich mich gut. Einige Konzerte wieder besucht. Ist jedes Mal wieder ein tolles Erlebnis. Zum letzten Eintrag. Der Junge ist sehr intelligent, gebildet und hat Connections zu einer gewissen Musikszene. Aber er steht, was das real Live betrifft, voll daneben. Da ich mir sowieso in einigen Bereichen, gewisse Dinge nicht mehr antue, war es bald klar, dass ich mit ihm sicher nicht lange auskomme. Dieser spezifisch, was den Liebesbereich betrifft, ist sowieso festgefahren in der Tatsache JA oder NEIN! Das heißt R. stirbt oder ist in meinem Herz nur mehr eine warme angenehme Erfahrung, oder nicht. Alternative gibt es nicht. M. sehe ich jetzt fast jeden Tag. Sie bekommt ein Baby. Ist vorzeitig freigestellt, wegen einiger Komplikationen. Das Bügeln bekomme ich jetzt von ihr bezahlt. Hätte es natürlich auch weiterhin gratis gemacht. Aber so ist Beiden geholfen. Das einzige was mich in letzter Zeit etwas zum Nachdenken bringt, ist mein Gewicht. Durch das relativ ruhige Leben, fresse ich viel zu viel und meist das Falsche. Sollte mehr Bewegung machen und weniger Naschen – ernsthaft. Möchte nächsten Sommer wieder den Bikini anziehen. Und sonst all die sexy Sachen, auf die ich die letzten Jahre verzichten musste. Vielleicht mach das Auto wirklich alles zwar etwas einfacher und schneller erreichbar, aber ziemlich faul. Hoffe halt nur, dass das jetzt nur der Winterspeck ist. H. schreibt brav jeden Montag. Doch jetzt ist ihm ein blöder Fehler passiert. Falscher Brief im falschen Kuvert. Oder umgekehrt. Momentan habe total softe Musik im Player – viel Gitarre – R. – ich habe Deine 10 begnadeten Finger angebetet. Das waren immer Stunden, die mich total high gemacht haben. Aber leider hatte ich da noch nicht die Kraft zum Leben, wie jetzt. Dieses einzigartige Gefühl, alles zu erreichen, was man will. Unschlagbar, aber doch nicht ganz unfehlbar zu sein. Positive Seiten, Situationen einfach zu genießen. Und das Negative zu relativieren. Trotz allem die Augen nicht zu verschließen vor den anfallenden Problemen und Sorgen des Tages. Sozusagen alles als Herausforderung zu sehen. Leute versuchen zu verstehen, akzeptieren und so zu nehmen, wie sie sind. Und umgekehrt, das Gleiche zu fordern.
Mo.??.Oktober 1998
Es ist 3 Uhr früh. Warum ich noch nicht schlafe, weiß ich nicht. Oder doch? Zu viele Gedanken in meinem Schädel. Wenn ich schlafen könnte, würden diese Staus in meinem Gehirn erspart bleiben. Falle ich schon wieder in dieselbe Scheisse, wo ich schon längst geglaubt habe, heraus zu sein. Kann nicht sein, die muss doch schon längst verdampft sein. Von den Fliegen gefressen und in Kompost verwandelt worden sein. Nach allen Seiten habe ich versucht, dies und jenes zu betrachten. Denke sogar nach wie vor, dass ich eigentlich einiges erreicht habe. Zumindest was meine Person selbst betrifft. Ganz einfach, dass ich mich kenne. Trotz dieser Konfrontation mit meinem eigenen Ich, kommen doch immer irgendwelche Zweifel auf. Habe ich noch immer den Mut, wirklich alle Dinge zu tun? Was steht da im Weg? Eigentlich die verdammte sogenannte Vernunft, die Verantwortung gegenüber ganz wenigen Menschen. Im Grunde genommen, eigentlich nur meinem Sohn gegenüber. Oder ist das nur eine Notbremse? Nein, ich denke, das ist schon ein realistischer Grund. Vielleicht ist es auch gut so, weil ich weiß, oder zumindest im kleineren Ausmaß, was ich so treibe, wenn er nicht da ist. Es ist nichts Verbotenes oder total Unsinniges. Es ist nur das Einfangen von positiven Gefühlen. Und wo kann ich die anderswo finden, als bei Konzerten? Unterwegs zu sein. Menschen zu beobachten und kennen zu lernen. Kommunizieren. Spaß zu haben. Diese kleine Unabhängigkeit vom Alltag zu spüren. Jetzt wo ich wieder mal keinen Job habe, und ich eigentlich schon wieder irgendwie weiß, dass das nicht so weitergehen kann, fühle ich trotz alldem, keine Angst, so wie beim letzten Mal. Es ist mehr die Perspektive vielleicht größer als zuvor. Auch wenn es natürlich von Anderen nicht so gesehen wird. Verschließe mich natürlich nicht ganz den, was mir jemand sagt, aber ich weiß doch genau, was ich nicht will. Oder bin ich für gewisse Dinge nicht bereit? Aber warum soll ich Dinge akzeptieren, die ganz einfach nicht passen. Wenn man so, wie ich, die absolut direkte und ehrliche Art vertritt, ist es ziemlich anstrengend konstante Bekanntschaften zu halten. Vielleicht bin ich eine Einzelgängerin, vielleicht gehöre ich zu der Sorte Mensch, die immer glaubt am Beginn des Stromes mehr zu bekommen. Bezweifle damit nicht meine Einstellungen zu gewissen Dingen, doch man hat bald einen Stempel. Eine Kategorie Mensch, die nicht sehr viel von Anpassung hält. Und doch nicht ganz den Mut hat, alles, wirklich alles durch zuziehen. Braucht man wirklich ein Ziel!? Genügen nicht Etappen auch. Stückchenweise dort hin zukommen – wohin eigentlich? Ist man den nicht schon am richtigen Ort? Hat das nicht eher was mit Zeit zu tun? Wo die Meisten eigentlich immer nur den Wunsch haben, dass sie vorbeigeht. Warum eigentlich? Ist jetzt alles falsch, ist es morgen anders? Gestern war es doch schon so. Oder ist es wirklich nur eine Frage der Akzeptanz, gewisse Dinge so zu betrachten, als Tatsache. Ohne irgendein Fragezeichen. Warum fällt mir das so schwer? Habe ja eigentlich das Vokabel WARUM aus meinem Sprachschatz gestrichen. Und trotzdem taucht es immer wieder auf. Wahrscheinlich gibt es auf Fragen die vom Herz kommen, keine konkrete Antwort. Oder die Lösung kommt durch ein anderes Gefühl. Vielleicht bin ich ganz einfach zu ungeduldig. Das passt wieder zu den so wie ich mich sehe – Teenager mit zu viel Hirn und viel zu viel Gefühl. Möchte das auch gar nicht ändern. Die Grenzen meiner ungestümen Art setzen sich von alleine. Kann einem ein Glaube in den Wahnsinn treiben? Was soll ich dazu noch sagen? Ich werde es dann schon merken, so weit bin ich. Wenn ich mit den halben Füssen schon über dem Abgrund stehe. Dann, wenn es eigentlich nur mehr den Schritt zurück gibt. Man kann ja den Abgrund den Rücken zeigen, und in eine andere Richtung wandern.
Di.27.10.1998
Das Leben ist wirklich voller Überraschungen.
Jeder Tag ist wie ein Paket, das man morgens langsam öffnet, und am Abend dann mit großen Augen vor dem Inhalt steht, wie ein Kind vor dem Christbaum.
Da meine Entscheidungen nach wie vor von Innen her getroffen werden, ist das Ganze noch faszinierender für mich. Am Sonntag fuhr ich, wie beschlossen, ins Rockhouse, um das Konzert der Stardust Babies zu sehen. Besser gesagt, W. Der Gitarrist, der mir vergangenen Sommer, irgendwie ein bisschen gezeigt hat, dass die Liebe, oder dieses absolute Gefühl der Vertrautheit, wieder passieren kann. Wollte ganz einfach wissen, was geschieht. Es war wieder einer dieser sagenhaften Momente, die man nur schwer in Worte verwandeln kann. Mit einer Rose bewaffnet, spazierte ich zur Bühne, und ging spontan in Richtung…W. Er war ziemlich von den Socken. Positiv, voller Freude. Ihn in die Augen zu blicken, machten alle meine Vorsätze, ihn etwas sagen zu wollen, zunichte. Es war, als würde überhaupt keine Zeit dazwischen gewesen sein. Er überschüttete mich mit Neuigkeiten und mit tausend Entschuldigungen, warum er sich nicht mehr gemeldet hat. Ob wahr oder nicht, ganz ohne Spuren in seinem Empfindungen zu mir dürfte es nicht gewesen sein. Nach dem Auftritt trafen wir uns noch im Cafe. Er hat gewusst, dass ich was auf dem Herzen habe. Außerdem wollte er die Rose. Habe sie ihm dann auch gegeben. Vor dem Konzert hat er mir erzählt, dass er jetzt eine gute Beziehung hat. Das hat mir verdammt weh getan. Aber als ich dann mit Übergabe der Rose ihm, mehr oder weniger, meine Gefühle mitgeteilt habe, dürfte er doch etwas beeindruckt und überrascht gewesen sein. Mit einer gewissen Wehmut und so irgendwie mit der Frage, „…habe ich was verpasse?“, versprach er mir sich zu melden, und wollte mir seine Telefonnummer geben. Habe es aber gelassen, und ihm meine Karte gegeben. Denke, das ist besser so. Abwarten und Tee trinken, besser Kaffee, so wie jetzt. Es war ein total tolles Gefühl, das zu Erleben. Solche Momente vergisst man sicher nicht so schnell. Dass das Ganze nicht ohne Schmerz an mir vorüber gegangen ist, merkte ich dann anschließend, als ich mein Auto nicht gleich finden konnte. Wusste aber, dass ich sicher nicht nach Hause fahre. Also ab ins Krah. Die Stätte meiner Verdauungsarbeit diverser seelischer Tiefschläge. Ein Budweiser, ein großes Brot. Diesmal sitzend. Nicht zum Grübeln, aber doch irgendwie zur Ablenkung, war das wohltuend. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass ich beobachtet wurde. Fast schon aus Gewohnheit, ging ich dann ins Stamperl. An der Bar beobachtete ich, wie immer, die Leute und überlegte mir irgendwie, wie oft ich mir bezüglich Lovestorys noch den Schädel anrennen soll, bis ich kapier, dass man das Glück nicht zwingen kann. Nach ca. 1 Stunde, beschloss ich eigentlich schön langsam heimwärts zu fahren. Aber, da war jemand, der mich anredete. Im ersten Moment, wollte ich eigentlich nicht viel reden. Doch das Gespräch war vielversprechend. Und er auch. Ich meine als Mensch. Weil, eigentlich wollte ich heute sicherlich nichts weniger, als eine dieser vielen Sexnächte, die im Rausch, zu Verwirrung bei den Männern führen. Wo dann hunderte Schwüre los gelassen werden, …und Tschüss das war es dann. Wenn es von mir gesteuert wird, kein Problem, aber wenn dann mehr Gefühl ins Spiel kommt, wird es gefährlich. Vielleicht war die Begründung von E. auch ausschlaggebend dafür, dass ich beschloss, ihn nach Hause zu bringen, und dann zu sehen, was kommt von ihm. Er hat mir gesagt, dass er fasziniert von mir ist; mein Wesen, eine Handbewegung über meine Haare hat ihn so beeindruckt, dass er sich mich total eingeprägt hat. Er wusste, dass er mich unbedingt ansprechen muss, und wenn es irgendwann gewesen wäre. Klingt verrückt, aber ich war beeindruckt. Es wurde daraus über 20 Stunden dauernder Ausflug in eines dieser Dimensionen, die nicht auf dieser Erde vorhanden sind. Die Frage innerhalb so kurzer Zeit sein Herz wieder zu verschenken, geht das? Es ist wahrscheinlich zu früh. Muss, wie schon gelernt, geduldig sein. Den richtigen Zeitpunkt zu finden, meine gesamten Gefühle zu vergeben, abwarten. Es fällt mir nicht leicht. Habe ihm das auch gesagt und ich weiß auch nicht ganz genau, ob er das alles hören will. Denke, wenn da was ist, fühlt er es auch. Außerdem, wie meist, ist er bezüglich Lovestorys anscheinend auch nicht ganz ungeschädigt. Werde mich so gut, wie möglich davor hüten, darin herum zu stochern. Die Zeit wird die Antwort in diesem Fall wieder geben. Was meine Ansprüche bezüglich gewisser Dinge betrifft, gibt es bis jetzt nichts, was wirklich Anti wäre. Jetzt aus irgendwelchen Taten oder Worten etwas zu deuten, ist sicher zu früh. Vielleicht rufe ich ihn morgen an. Es ist alles noch zu frisch. Der Rausch, die neue Faszination an einen Menschen, der einen Platz in meinem Herz hätte. Vielleicht ist mein Herz zu groß, zu erwartungsvoll, zu offen, zu süchtig nach Liebe oder das, was ich halt so gerne fühle. Das zweite Mal wird entscheiden, ob ich mit total hingeben will, den absoluten Gefühlen. Wenn´s nicht sein wird…weiß nicht, glaube trotzdem, dass es die Liebe gibt. Möchte aber nicht immer nur geben, ich will sie auch empfangen. Die wenigen vorsichtigen Andeutungen bezüglich Gefühle zu mir, sind ganz einfach zu wenig. Es reicht nicht. Deshalb nicht, weil ich nicht zu viele Cuts in meinem Herz haben möchte. Auch wenn ich das schon irgendwie schaffe, wieder aus diesen Pfeilen in mir, neue Kraft zu schöpfen. Eines wäre auch schön, wenn bezüglich R., auch sowas wie eine Klarheit, geben könnte. So wie bei W. Weil, wenn ich wüsste, dass er es geschafft hat, sein Glück zu finden, wäre es zwar auch schmerzhaft, aber zugleich auch beruhigend. „Someday, I´ll be worthy“ – Soraya, wie Recht du hast. R., du hast das alles schon erlebt, und dadurch gewusst. Einen Platz habe ich wahrscheinlich in mir für ihn für immer. Man kann das zwar heute nicht beschließen, aber es fühlen. Auch E. wird seine Warnung auf seinem Spiegel vergessen, verarbeiten, wenn er wieder fühlt. Sicherheit und Vertrauen aufs Neue zu finden. Vielleicht bin ich eine kleine Hoffnung, eine kleine Stufe dorthin. Das wäre schon schön.
Mo.02.11.1998
Diese Feder dürfte vorerst den Geist aufgeben. Habe am Sonntag wieder therapeutische Bilder gemalt.. Weil, warum? Zu viele verwirrende Gefühle in mir. E. hat zwar angerufen, aber wir trafen uns erst am Sonntag. Bin ich zu ungeduldig: Kann ich nicht akzeptieren, dass der Andere nicht so viel Zeit hat? Oder ist es der gleiche Egoismus, den ich jetzt habe? Will ganz einfach vermisst werden, oder? Dasselbe Gefühl empfangen, das ich hergebe. Wiegesagt, Sonntag sahen wir uns. Wir gingen was Essen. Und anschließend ins Kino. Zorro! Hätte mir diesen Film sich von mir aus, nicht angesehen. Überraschender Weise war er wirklich gut gemacht. Nach dem Film waren wir im Jazzcafe. Dor habe ich versucht, seine Person etwas zu ergründen. Nicht einfach. Soviel er über seine Firma, sein Studium oder Freunde erzählt, so wenig durchblicke ich sein Gefühlsleben. Wenn ich das schonwieder einmal durchdenke, irgendwie, passe ich nicht so ganz in sein Leben. Denke nicht, dass das zu früh ist. Mein Spürsinn hat mich bis jetzt nicht im Stich gelassen. Die Gefühle, die von ihm kommen sind stark. Aber irgendwie will oder kann er sie nicht ganz raus lassen. Verständlicherweise hat er nicht viel Zeit. Seine Selbstständigkeit bezüglich seines ganz jungen Geschäftes, nimmt ihn sehr in Anspruch. Habe ich schonwieder zu viel Zeit über solche Dinge nach zudenken; oder überhaupt mir anderer Leute Kopf zu zerbrechen. Vielleicht sollte ich in solchen Angelegenheiten wirklich sowas wie eine Bilanz aufstellen. Plus und Minus aufschreiben. Und dann für mich entscheiden. Überlegungen ob es nun tatsächlich die jeweilige Person betrifft, oder die ungestillten und unerfüllten Gewinne bei solchen.
Do.05.11.1998
Wenn ich jetzt schreibe, was ich gerade tue, so um 23:30 Uhr herum, ist es das was ich schon so oft in unzähligen Nächten getan habe. Gebe mich der Magie der unglaublichen Klänge der Musik hin. Now – Eric – Slowhand – Clapton. Es wäre gelogen, wenn ich damit nicht wieder einige schöne Stunden mit Menschen verbracht habe. Und diese, wieder wie ein Film ablaufen. Der Zusammenhang gewisser Musik, mit gewissen Lebenssituationen ist bei mir nicht weg zudenken. Was geht mir heute schonwieder durch den Kopf? Habe ich da nicht schon tausendmal durchdacht. Diese verdammt viele Zeit, ohne Beschäftigung. Möchte endlich doch sowas, wie Alltag haben. Was zu tun um mir die Zeit anders zu vertreiben, ist zwecks der finanziellen Lage eher schwierig. Kann nicht alles tun, was ich will. Sonst wäre ich sicher nicht so viel zu Hause. Außerdem habe ich am Dienstag einen seltsamen Anruf auf dem AB gehabt. Stimme – konnte ich nicht identifizieren. S. hat es gelöscht. Vielleicht wäre ich nach Öfteren Abspielen dahinter gekommen, wer da so blöd ist. „Hallo, hallo, du warst a bissl…, dann ein herzhafter Rülpser. Hat das Alles einen Zusammenhang? Auto, Zettel, Telefon? Heute habe ich kurz mit F.J. telefoniert. Er hat mir erklärt, wo der Falco am Friedhof liegt. Außerdem habe ich dem H. aus Innsbruck einen Brief geschrieben. Zusammen mit einer Pauli-CD schicke ich es morgen ab, weil, warum? Montag hat er Geburtstag. Eigentlich ist es seltsam. Wenn ich mir überlege, wie ich mit den Menschen umgehe, müsste ich viel mehr Leute kennen. Oder kenne ich die falschen Leute? Abgesehen von M., die irgendwie schon so eine Ersatzmama geworden ist, lässt der Rest sehr zu wünschen übrig. Und so eine große Schulter, wie R., werde ich wahrscheinlich auch nicht so bald wieder finden. Wenn es sowas überhaupt ein zweites Mal gibt. Manchmal fällt es mir schon schwer, daran zu glauben. Gestern habe ich mir so durch überlegt, was ich zu Silvester machen werde. Eine Party schmeißen wäre toll. Nur, mit wem?, mit den Menschen, die sich einen Dreck um mich scheren. Nein? Ein Inserat im Bazar oder Standard. Ein paar auch einsame Leute selektieren. Wäre doch irgendwie witzig. Und mein zweiter Gedanke, in Richtung DJ-Ambitionen. Lokale fragen, Annonce? Einen Versuch, wäre es Wert. Möchte unter Leute sein. Anerkennung, Kritik, Kommunikation, Kontakte ganz einfach Reaktionen erfahren. Meine Person und Persönlichkeit in die Öffentlichkeit bringen. Weiß doch, dass ich für manche Leute, schon was Faszinierendes bin. Auch wenn es diese Faszination oft nur für kurze Zeit gibt, sie ist rüber gekommen. Vielleicht sin die Menschen heute alle schon so misstrauisch, dass sie meine Ehrlichkeit und Offenheit nicht mehr für real halten. Oder meine Anforderungen sind zu groß. Das glaube ich aber auch nicht, weil ohne diese Wünsche, würde ich mich noch mehr verletzen. Und habe nicht vor, mich seelisch um zubringen. Vergangenes Wochenende mit E. war o.k. Seltsamerweise ging mir aber irgendwas ab. Nicht, dass er nicht nett zu mir war, aber es dürfte die Schweigsamkeit bezüglich Gefühle sein, die mich stört. Ich weiß schon, dass nicht jeder über Alles, so wie ich reden kann, aber doch etwas ein bisschen, wäre doch wünschenswert. Wenn in Zukunft nicht mehr kommt, ist das Ganze wahrscheinlich auch wieder Historie. M. hat auch schon gemeint, dass ich zu ungeduldig bin. Aber was soll ich machen, mein Übersinn, weiß es halt immer schon vorher. Wünsche und Realität unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht. Doch mein Glaube daran, führt mich schon dort hin, oder er bringt mich um. Ablenkungsmanöver sind sinnlos. Meine verzweigten Gedanken in alle Richtungen werden immer alles hinterfragen. Auch, wenn sie wahrscheinlich bei R. alles zerstört haben. Hey, Kavalier, geht es Dir eh gut? Ich denke an Dich. Du fehlst mir. Eigentlich habe ich mich schon gewundert, ihn auf keinem einzigen OBK-Konzert getroffen zu haben. Auch nicht beim Heli. Der Blues rennt übern´n Bahnhof…
Bluesanne - 15. Nov, 01:32
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