Teil 27
Autodidaktische Erkenntnisse
Mo.01.06.1998
Rückblick, genau ein Jahr ist es her, dass ich von der Abschiedsreise mit R. aus Paris zurück gekommen bin. Gedanken darüber aufzuschreiben sind überflüssig, weil es sowieso eine Wiederholung der schriftlichen und seelischen Gefühlsausbrüche der letzten (und überhaupt) Monate wäre. Fragen und Antworten, die für mich dazu zufriedenstellend wären rennen aneinander vorüber. So wie das sogenannte Glück, dass man im Leben haben sollte. Fühle mich irgendwie so machtlos dem gegenüber, was momentan so passiert. Investitionen in Dinge stecken, die ich erreichen will, erleiden nur Flops. Ein Kreislauf – kein Job – kein Geld – keine sinnvolle Beschäftigung. Freitag, habe ich mehr oder weniger aus Langeweile (auch wenn es schon notwendig war) alle Fenster geputzt und Vorhänge gewaschen. Am Sonntag, mit F.J. beim McDonald getroffen. Waren mit S. auf der Donauinsel beim Eissaloon. Samstag war H. (Polizist) auf ein Plauscherl bei mir. Er hat mir voller Begeisterung erzählt, dass er Jiu Jitsu Vizemeister geworden ist. In der Zeit (ca. 00:00 – 1:00 Uhr) stand R. andauernd draußen vorm Balkon. Brauche einen Bodyguard. Egal was ich ihn sage, er kapiert nicht, dass ich ihn nicht mehr sehen will. Es gibt die Möglichkeit einer richterlichen Verfügung. Brauche wieder einmal eine Lösung für ein Problem. Vielleicht finde ich dafür einen Weg, der mir diesen Schatten vom Leibe schafft. Es ist ganz einfach unangenehm, zu wissen, dass da dauernd jemand auf der Lauer ist. Wie soll man einem Verrückten schon vernünftig klar machen, dass er verschwinden soll?
Do.25.06.1998
Schon einige Zeit vergangen, dass ich schriftlich mit mir im Dialog stand. Sprich, hier reingeschrieben habe. Es scheint so, als habe ich durch meine Maltherapie einiges an negativen Vibrations abgebaut. Insgesamt 8 Bilder habe ich wieder fabriziert. Fühle mich eigentlich so ausgeglichen wie nie zuvor. Habe zwar noch immer keinen Job, die Schulden sind auch gewachsen, von R. ist weit und breit keine Spur (warum, sollte es auch anders sein), Sex gibt es nur mehr mit mir und meiner ausgeprägten Phantasie, von den FreundInnen hat sich bisher auch niemand gemeldet, und trotzdem fühle ich mich irgendwie total unbelastet und frei von irgendwelchen Sorgen mit denen ich mich fertig mache. Es ist als ob ich irgendwie drüber (nicht daneben) stehe. Denke mir, dass eine Ursache dafür sicherlich die momentane unkomplizierte Beziehung zu S. ist. Das ist eine Sorge weniger und trägt schon sehr zu meinem Wohlbefinden bei. Ich denke, wenn man vieles der einfachsten und direktesten Seite betrachtet, erspart man sich eine Menge Hürden, die man sich dabei selbst in den Weg stellt. Weiß zwar nicht, ob mein Egoismus und mein erreichtes Selbstvertrauen zu allen Dingen, die ich noch tun will reich, aber ich fühle mich dadurch sehr stark und irgendwie unverletzbar. Glaube einfach, weil ich jetzt ganz genau weiß, was ich absolut nicht will, viel klarer und leichter ist. Es ist schon erstaunlich, erst mit 2 x 18 Jahren drauf zukommen, was man (Frau) für ein Mensch ist. Welche Wünsche man hat. Wozu man steht, was einem Spaß macht usw. Diese tausend Fragen den Sinn gewisser Situationen betreffend sind für mich noch immer wichtig, stehen aber nicht mehr so im Vordergrund. Weil, warum? Es ist nicht immer so wichtig. Es ist eigentlich immer nur eine Frage der Akzeptanz. Dinge so hinzunehmen, wie sie sind und + aber auch zu verarbeiten. Negative Dinge versuche ich jetzt immer irgendwelche positive Seiten abzugewinnen. Funktioniert sicherlich mit all den Dingen die ich nicht so angenehm empfinde, aber es geht. Eine Zeit lang wusste ich eigentlich wirklich nicht mehr, woher meine Power fürs Leben hernehmen soll. Doch meine absolute Leidenschaft, die Musik – das Überfeeling – hilft und unterstützt mich wahnsinnig. Es ist wirklich wie eine Wahnsinnsdroge, eine Medizin, ein Allheilmittel für und gegen alles was mich beschäftigt. Ein Freund, der immer da ist, egal was ich brauche und wie ich mich fühle. Und ganz fest und tief in mir drin, weil es nach wie vor nicht anders ausschaut, die Liebe zu R. Obwohl, der Traum, jemals mit ihm, bei ihm zu sein, natürlich ein Traum bleiben wird (muss aber nicht so sein), ist er der Sinn meines Lebens. Er ist die Gewissheit, dass da ein Mensch ist, der für mich da war – immer. Und das, nur sehr (relativ) kurz, aber für mich hat es eine riesige Bedeutung. Hubert von Goisern fließt mit dem Lied Weit, weit weg durch mich hindurch. Das ist es. Diese Leidenschaft, Sinnlichkeit, die Ehrlichkeit, das Gefühl, die Wahrheit die da rüber kommt. Die Liebe zu einer Sache. Das ist die Kraft, durch die man alles bekommt, was man will. Bekommen ist das falsche Wort; erreichen ist besser. Das Ziel eines Wunsches erreichen. Bin wirklich über all die Dinge froh, die ich in den letzten 2 Jahren getan habe, auch wenn die Schritte dazu sehr viel Mut brauchten. Es macht mich stolz und mit mir zufrieden. Es ist wirklich jeder Tag, jede Stunde des Lebens ein Lernprozess, man muss es nur sehen. Die Sinne benutzen, bewusst und sinnvoll. Weil die Existenz nicht nur von der inneren Einstellung abhängt, wäre es für mich natürlich noch schöner, wenn sich jetzt ein bisschen cash mäßig auch was tut.
Di. 30.06.1998
Wurde durch einen Anruf von F.J. unterbrochen. Ist nach Wien gekommen, um sich auf der Donauinsel den Kurtl zu geben. Treffen uns um 00:30 Uhr in Floridsdorf. Fahren ins Falk. War recht lustig. Irgendwann so um halbsechs früh nach Hause gekommen. Mittags gefrühstückt. Musste bei F.J. einiges klar stellen, weil er irgendwie in Richtung Beziehung gegangen ist. War zwar etwas eingeschnappt, aber Gott sei Dank, hat er es kapiert. Freitagnachmittag tauch dann auch noch der H.R. auf. Soll mit S. in seiner neuen Wohnung vorbeischauen. Um 18:30 Uhr ist es dann wieder mal so weit. Ganz vorne bei der großen Bühne. Habe Kopfweh, eindeutig zu wenig Schlaf. Doch als Willy und seine Boys auf die Bühne kommen ist es vorbei. Beginn 20 Uhr, Ende 21:30 Uhr. Viel zu kurz. Außerdem ist der Abstand zwischen Stage und den Leuten viel zu groß. Also die intimeren Auftritte taugen mir mehr. Trotzdem waren die Jungs gut drauf. Von der Clique treffen wir nur T. aus Gänserndorf. Fahren gleich nach Hause, bekomme Migräneanfall, will nur mehr ins Bett. Samstagmittag bringe ich F.J. nach Floridsdorf. Bin erleichtert, dass er wieder fährt. Im Großen und Ganzen ist ja o.k., aber auf Dauer nervt er mit seinen eingefahrenen und radikalen Ansichten gewisser Dinge. Nachmittag, versuche ich die H. zu erreichen. Rufe dann T. an, um zu fragen, wie es in Berlin war. Treffen uns auf der Country-Insel. S. fährt mit. Unterhalte mich gut. Um 00:00 Uhr zu Hause. Sonntag fast nur geschlafen. Heute mit S. bei M. Haare schneide. Soll ja bei zunehmenden Mond (Oh Oh!) gut sein. Freitag hat Hr. K. von der Fa. Serigrafia angerufen, und mir mitgeteilt, dass ich im August anfangen kann. Da die Firma im 10. Bezirk ist, habe ich gestern einen alternativen Anfahrtsweg zur A23 ausprobiert. Ging ganz gut. Hoffe, dass es jobmäßig jetzt wirklich was wird. Möchte mir doch noch etwas sparen, um einige Dinge anzuschaffen. Und außerdem und überhaupt, zu Hause gibt es nicht wirklich viel zu tun. Zumindest, was mich irgendwie ausfüllt. Eines ist momentan nicht mehr da. Das Gefühl, Dinge zu tun, nur um irgendwas zu tun und um mich zu beschäftigen. Eigentlich würde ich jetzt viel lieber öfter wegfahren (Tour!), doch ein bisschen Vernunft spielt auch bei meinem jetzigen Lebensstil eine Rolle. Man (Frau) hat doch eine gewisse Verantwortung als alleinerziehende Mutter. Speziell wenn sonst niemand für S. da ist. Doch diese kleinen Abstriche sind nicht so tragisch, wenn ich sehe, wie gut es ihn eigentlich, im Gegensatz zuvor, geht. Würde mir wünschen, die kommenden Teenagerjahre, so problemlos zu erleben. Bevor wir heute zu M. gefahren sind, stand in unserer Gasse, ein Mann, der R. sehr ähnlich war. Furchtbar! Sehe in der Großstadt Wien eine Fatamorgana. Dieses Wunschdenken, kann einen, wenn man nicht aufpasst, in den Wahnsinn treiben. Sellerie, mein Herz spricht. Glaube nicht, dass ich schon fähig bin, meiner großen Liebe, gegenüber zu treten ohne, dass ich dabei ausflippe. Es genügen ja schon die Gedanken an ihn, dass ich total hormonmäßig durcheinander komme. Ja, wenn man an einer chronischen Infektion leidet, sollte man den Virus, der die Krankheit dazu auslöst, so gut wie möglich meiden. Es gibt nur zwei Möglichkeiten den Ausbruch zu vermeiden – eine neue Liebe (?) – oder ihn nie wieder zu sehen. Momentan glaube ich, gibt es da keine Alternative. Aber diese Akzeptanz und die Vereinbarung mit mir macht es möglich unbelasteter damit um zugehen. Die quälenden Fragen nach dem Warum und Wieso stehen nicht mehr so im Vordergrund. Es ist irgendwie so, als ob man sagt, er lebt in einer anderen Welt, und trotzdem ist er bei mir. Ganz tief in mir. Vielleicht ist das, dass was viele meinen – die erste liebe vergisst man nicht. Sie bleibt in einem drin, wie all die anderen Gefühle, ob positiv oder negativ. Es ist jetzt ein angenehmes Geschwür. Es ist da, aber es schmerzt nicht.
Mo.13.07.1998
Eine Woche hackeln in der neuen Firma im 10. Bezirk. Ich bin froh, wieder arbeiten zu gehen. Es ist jedoch im Lebensrhythmus einiges anders. 05:30 Uhr aufstehen, frühstücken; spätestens 06:45 Uhr Abfahrt. 30 km mit dem Auto. Fahrzeit zwischen 45 und 60 Minuten, je nach Verkehrslage. 07:45 Uhr – 16:45 Uhr Arbeitszeit. Ca. 18 Uhr zu Hause. Der Haushalt macht keine Probleme. Meine Musestunden mit Musik und Briefe schreiben sind eingeschränkt, aber ich möchte darauf absolut nicht verzichten. Am Freitag bin ich nach Buchschachen zum F. gefahren. Vorher war noch F.J. kurz da. Er wäre gerne mitgefahren, aber seine derzeitige feminine Hälfte machte Troubles. Am Samstag ca. um 15 Uhr mit F. in Wiener Neustadt am Flugfeld. Einlass ca. 17:00 Uhr. Superplatz gehabt. Das Konzert der Rolling Stones beginnt um 21:30 Uhr. Spitzenshow, Spitzenmusik, einfach spektakulär. Ca. 23:45 Uhr aus. Nach längeren verirrten Fußmarsch, ziemlich lang auf Taxi gewartet, um zum Auto zu kommen. Um 5 Uhr früh im Gasthof angelangt. Mittags kurz gefrühstückt. F.J. ruft um 13:30 Uhr an. 13:45 Abfahrt, 15:30 Uhr zu Hause. Heute bin ich ziemlich grantig. Mag es die Anstrengung der vergangenen Tage sein, oder weil ich die Regel habe, zu wenig Schlaf. Oder ganz einfach wieder das Gefühl, mit niemand reden zu können. Einfach das Erlebte erzählen, von der Arbeit quatschen usw. – einfach die Schulter zum Anlehnen haben. Fallen lassen, kuscheln, festhalten, wohl fühlen, Geborgenheit spüren. Möchte nicht unzufrieden sein. Habe in letzter Zeit doch wieder einiges erreicht und gemacht, was ich mir vorgenommen und gewünscht habe. Doch es kann halt dieses fehlende Gefühl nicht ersetzen. Ist das, der Preis für die Freiheit? Es muss doch auch Beides unter einen Hut zu bringen sein. Gemeinsam mit jemand (am liebsten natürlich nach wie vor – R.) dieses Leben genießen. Gegenseitig stützen und ergänzen. Versuche meine offene, aufgeschlossene und ehrliche Linie beizubehalten, um nicht wieder auf die Schnauze zu fallen Nur die Leute (manche) machen es einem nicht immer ganz leicht. Meine Überzeugung vom Positiven kommt dadurch manchmal ins Wanken und ich werde ziemlich misstrauisch. Vielleicht bin ich wieder einmal nur zu ungeduldig. Aber es nervt halt manchmal, mit manchen Leuten reden zu wollen und es kommt nichts zurück. Manchmal glaube ich wirklich, nicht für ein geregeltes geordnetes Leben geboren zu sein. Gewisse Verpflichtungen widersprechen ganz einfach meiner Einstellung zu manchen Dingen. Dieses Defizit an Ansprache und Aussprache belastet mich zeitweise schon. War das vielleicht dasselbe, was R. vermisst hat, und vielleicht geglaubt hat, bei mir, mit mir gefunden zu haben? Wir wisse es nicht so genau. Es kann aber durchaus möglich sein. Jetzt geht diese blöde Fragerei schon wieder los. Das Aufstellen von Spekulationen. Man (Frau) macht sich halt so seine Gedanken. Sie werden sicherlich nicht umsonst sein. Habe bis jetzt immer noch irgendwie eine Lösung für mich gefunden. Zumindest, um eine Zeit lang, damit zu kommen.
So. 19.07.1998
Es ist 02:30 Uhr früh. Obwohl ich nach der zweiten Arbeitswoche am Freitag ziemlich geschafft nach Hause gekommen bin, und nur mehr mein Bett herbeigesehnt habe, kann ich jetzt nicht schlafen. Gedanken wurschteln sich durch meinen Kopf. Erlebnisse vom vergangenen Sommer (OBK-Tour) werden hervor gekramt. Genau vor einem Jahr war ich in Innsbruck. Damals um diese Zeit habe ich H. kennengelernt. Heute höre und sehe (Briefe) ich von ihm schon seit einiger Zeit nichts mehr. Irgendwie schade. Schreibe doch so gerne Briefe. Aber so wie es scheint, hat er die paar Tage Winter, wo ich bei ihm auf Besuch war, nicht verkraftet. Sellerie. Aber von meiner Seite betrachtet, ist es ganz gut so. Weil die Gefühle, die ich damals geglaubt habe, zu empfinden, die entpuppten sich meiner Meinung nach, als sogenanntes Strohfeuer. Ja, wenn man auf Liebesentzug ist, kann das schon mal passieren. Es macht mich nicht traurig, nur um eine Erkenntnis, auf diesem Gebiet, reicher. Im Großen und Ganzen vertraue ich auf meine Gefühle. Ich glaube, dass ist mein großes Plus. Dieses Vertrauen, macht mich bei so manchen Entscheidungen stark. Ohne diesen Glauben könnte ich nicht mehr positiv denken. Da mir mein Leben sowieso schon so manchen Streich gespielt hat, möchte ich mir nicht noch mehr alles durch komplizierte Überlegungen und Grübeleien erschweren. Auch wenn durch die Arbeit sich mein Rhythmus wieder verändert hat, möchte ich weiterhin, nicht so leben, wie die meisten anderen Leute. Momentan muss ich halt nur schauen, das finanzielle Chaos etwas in den Griff zu bekommen. Hoffe doch mit dem neuen Job, das zu schaffen. Das andere Defizit in meinem jetzigen Stadium ist natürlich auch etwas, worüber ich doch etwas unzufrieden bin. Es fehlt ganz einfach die Nähe zu einem Menschen. Man würde sich schon mit ein paar Stunden zufrieden geben, aber man weiß ja, dass das auch nicht alles ist. Für den Augenblick kann es ganz gut sein, doch nachher ist die Leere wieder da. Es ist daher sicher nicht verwunderlich, wenn durch das Gewirr meiner Gedanken, plötzlich immer wieder ein Mensch auftaucht. Er verkörpert all das, was mir zurzeit abgeht. Werde ich diese Sehnsucht jemals auslöschen können? Es gibt immer wieder Dinge, die mich an ihn erinnern. Einer der großen Kunden in meiner jetzigen Firma, ist in Wünschendorf, Gleisdorf, Steiermark beheimatet. Dort, wo ich mit R. am Reiterball war. Dort wo seine Heimat ist. Ist es ein Zufall, oder ist es ganz einfach nur meine Denkreise? In der ich immer irgendwelche Verbindungen, Zusammenhänge sehen will. Wo ich immer irgendwelche Brücken baue. Für mich gibt es da anscheinen immer irgendwelche Abhängigkeiten voneinander. Sind unabhängige Tatsachen für mich überhaupt nicht möglich? Gibt es nichts, wo ich ganz einfach sage, das ist jetzt so, wie es nun halt sein muss? Bin ich zu naiv, zu unreif, denke ich wie ein Kind, dass auch immer tausend Fragen hat, oder bin ich zu intelligent? Es ist seltsam, wenn man auf der einen Seite, total auf sein Innerstes hört, und oben im Schädel sich die Gedanken gegenseitig fertig machen. Zu diesem Thema, habe schon einmal in Gedichtform Stellung genommen. Wahrscheinlich ist es o.k. Es funktioniert ja ganz gut so für mich. Es gibt halt Dinge im Leben, die kann man nicht beeinflussen. Eigentlich sollte der Wunsch bei R. zu sein, anders lauten. Weil, dass ich ihn über alles liebe, ist klar. Ich kann eigentlich nur davon träumen, dass er mich liebt. So liebt, wie ich ihn. Aber das ist eine andere Geschichte. Möchte doch noch in diesen Leben, das Gefühl spüren, wenn jemand vor dir Respekt hat, dich so akzeptiert wie du bist, dir jeden Wunsch von den Augen abliest usw. Alles Andere wäre dann viel einfacher und schöner. Es wird halt schon seine Richtigkeit Haben, wen man als Mensch, immer irgendwelche Wünsche und Ziele hat. Ich glaube, sonst würde man ja irgendwie nicht weiterkommen. Versuche mir halt nichts vor zu zumachen. Tatsache ist es nun einmal, dass ich halt meine Gefühle nicht ganz unter Kontrolle habe. Aber ich glaube, ich will sie gar nicht so in den Griff bekommen. Weil dadurch, komme ich mir unehrlich zu mir selber vor. Somit lasse ich ihnen meist feien Lauf. Unterdrückte Sehnsüchte erzeugen nur Frust. Irgendwo muss man das Alles raus lassen. Wenn ich das Ganze schon niemand sagen kann, so schreibe ich es wenigstens auf. Es ist leichter so mit der Einsamkeit um zugehen. Und nicht nur das. Es wird eines Tages, wenn ich relativ alt und grau geworden bin, sehr witzig sein, all das zu lesen. Dann, wenn der Mensch, neben mir liegt, der vor mir kniet. Dann, wenn es nicht mehr so viele Fragen gibt. Außerdem ist durch die Schreiberei die Müdigkeit wieder eingekehrt. Nachdem ich mir verbotener Weise einige Zigaretten im Schlafzimmer gegönnt habe, glaube ich jetzt, wie einschlafen zu können. Die wilden Träume vom süßen Leben warten schon auf mich. Es fehlt mir zwar nicht alles zu einem glücklichen Leben, doch es ist ein wesentlicher Teil. Es kommt halt nur drauf an, wie viel Bedeutung darauf legt.
Mo.01.06.1998
Rückblick, genau ein Jahr ist es her, dass ich von der Abschiedsreise mit R. aus Paris zurück gekommen bin. Gedanken darüber aufzuschreiben sind überflüssig, weil es sowieso eine Wiederholung der schriftlichen und seelischen Gefühlsausbrüche der letzten (und überhaupt) Monate wäre. Fragen und Antworten, die für mich dazu zufriedenstellend wären rennen aneinander vorüber. So wie das sogenannte Glück, dass man im Leben haben sollte. Fühle mich irgendwie so machtlos dem gegenüber, was momentan so passiert. Investitionen in Dinge stecken, die ich erreichen will, erleiden nur Flops. Ein Kreislauf – kein Job – kein Geld – keine sinnvolle Beschäftigung. Freitag, habe ich mehr oder weniger aus Langeweile (auch wenn es schon notwendig war) alle Fenster geputzt und Vorhänge gewaschen. Am Sonntag, mit F.J. beim McDonald getroffen. Waren mit S. auf der Donauinsel beim Eissaloon. Samstag war H. (Polizist) auf ein Plauscherl bei mir. Er hat mir voller Begeisterung erzählt, dass er Jiu Jitsu Vizemeister geworden ist. In der Zeit (ca. 00:00 – 1:00 Uhr) stand R. andauernd draußen vorm Balkon. Brauche einen Bodyguard. Egal was ich ihn sage, er kapiert nicht, dass ich ihn nicht mehr sehen will. Es gibt die Möglichkeit einer richterlichen Verfügung. Brauche wieder einmal eine Lösung für ein Problem. Vielleicht finde ich dafür einen Weg, der mir diesen Schatten vom Leibe schafft. Es ist ganz einfach unangenehm, zu wissen, dass da dauernd jemand auf der Lauer ist. Wie soll man einem Verrückten schon vernünftig klar machen, dass er verschwinden soll?
Do.25.06.1998
Schon einige Zeit vergangen, dass ich schriftlich mit mir im Dialog stand. Sprich, hier reingeschrieben habe. Es scheint so, als habe ich durch meine Maltherapie einiges an negativen Vibrations abgebaut. Insgesamt 8 Bilder habe ich wieder fabriziert. Fühle mich eigentlich so ausgeglichen wie nie zuvor. Habe zwar noch immer keinen Job, die Schulden sind auch gewachsen, von R. ist weit und breit keine Spur (warum, sollte es auch anders sein), Sex gibt es nur mehr mit mir und meiner ausgeprägten Phantasie, von den FreundInnen hat sich bisher auch niemand gemeldet, und trotzdem fühle ich mich irgendwie total unbelastet und frei von irgendwelchen Sorgen mit denen ich mich fertig mache. Es ist als ob ich irgendwie drüber (nicht daneben) stehe. Denke mir, dass eine Ursache dafür sicherlich die momentane unkomplizierte Beziehung zu S. ist. Das ist eine Sorge weniger und trägt schon sehr zu meinem Wohlbefinden bei. Ich denke, wenn man vieles der einfachsten und direktesten Seite betrachtet, erspart man sich eine Menge Hürden, die man sich dabei selbst in den Weg stellt. Weiß zwar nicht, ob mein Egoismus und mein erreichtes Selbstvertrauen zu allen Dingen, die ich noch tun will reich, aber ich fühle mich dadurch sehr stark und irgendwie unverletzbar. Glaube einfach, weil ich jetzt ganz genau weiß, was ich absolut nicht will, viel klarer und leichter ist. Es ist schon erstaunlich, erst mit 2 x 18 Jahren drauf zukommen, was man (Frau) für ein Mensch ist. Welche Wünsche man hat. Wozu man steht, was einem Spaß macht usw. Diese tausend Fragen den Sinn gewisser Situationen betreffend sind für mich noch immer wichtig, stehen aber nicht mehr so im Vordergrund. Weil, warum? Es ist nicht immer so wichtig. Es ist eigentlich immer nur eine Frage der Akzeptanz. Dinge so hinzunehmen, wie sie sind und + aber auch zu verarbeiten. Negative Dinge versuche ich jetzt immer irgendwelche positive Seiten abzugewinnen. Funktioniert sicherlich mit all den Dingen die ich nicht so angenehm empfinde, aber es geht. Eine Zeit lang wusste ich eigentlich wirklich nicht mehr, woher meine Power fürs Leben hernehmen soll. Doch meine absolute Leidenschaft, die Musik – das Überfeeling – hilft und unterstützt mich wahnsinnig. Es ist wirklich wie eine Wahnsinnsdroge, eine Medizin, ein Allheilmittel für und gegen alles was mich beschäftigt. Ein Freund, der immer da ist, egal was ich brauche und wie ich mich fühle. Und ganz fest und tief in mir drin, weil es nach wie vor nicht anders ausschaut, die Liebe zu R. Obwohl, der Traum, jemals mit ihm, bei ihm zu sein, natürlich ein Traum bleiben wird (muss aber nicht so sein), ist er der Sinn meines Lebens. Er ist die Gewissheit, dass da ein Mensch ist, der für mich da war – immer. Und das, nur sehr (relativ) kurz, aber für mich hat es eine riesige Bedeutung. Hubert von Goisern fließt mit dem Lied Weit, weit weg durch mich hindurch. Das ist es. Diese Leidenschaft, Sinnlichkeit, die Ehrlichkeit, das Gefühl, die Wahrheit die da rüber kommt. Die Liebe zu einer Sache. Das ist die Kraft, durch die man alles bekommt, was man will. Bekommen ist das falsche Wort; erreichen ist besser. Das Ziel eines Wunsches erreichen. Bin wirklich über all die Dinge froh, die ich in den letzten 2 Jahren getan habe, auch wenn die Schritte dazu sehr viel Mut brauchten. Es macht mich stolz und mit mir zufrieden. Es ist wirklich jeder Tag, jede Stunde des Lebens ein Lernprozess, man muss es nur sehen. Die Sinne benutzen, bewusst und sinnvoll. Weil die Existenz nicht nur von der inneren Einstellung abhängt, wäre es für mich natürlich noch schöner, wenn sich jetzt ein bisschen cash mäßig auch was tut.
Di. 30.06.1998
Wurde durch einen Anruf von F.J. unterbrochen. Ist nach Wien gekommen, um sich auf der Donauinsel den Kurtl zu geben. Treffen uns um 00:30 Uhr in Floridsdorf. Fahren ins Falk. War recht lustig. Irgendwann so um halbsechs früh nach Hause gekommen. Mittags gefrühstückt. Musste bei F.J. einiges klar stellen, weil er irgendwie in Richtung Beziehung gegangen ist. War zwar etwas eingeschnappt, aber Gott sei Dank, hat er es kapiert. Freitagnachmittag tauch dann auch noch der H.R. auf. Soll mit S. in seiner neuen Wohnung vorbeischauen. Um 18:30 Uhr ist es dann wieder mal so weit. Ganz vorne bei der großen Bühne. Habe Kopfweh, eindeutig zu wenig Schlaf. Doch als Willy und seine Boys auf die Bühne kommen ist es vorbei. Beginn 20 Uhr, Ende 21:30 Uhr. Viel zu kurz. Außerdem ist der Abstand zwischen Stage und den Leuten viel zu groß. Also die intimeren Auftritte taugen mir mehr. Trotzdem waren die Jungs gut drauf. Von der Clique treffen wir nur T. aus Gänserndorf. Fahren gleich nach Hause, bekomme Migräneanfall, will nur mehr ins Bett. Samstagmittag bringe ich F.J. nach Floridsdorf. Bin erleichtert, dass er wieder fährt. Im Großen und Ganzen ist ja o.k., aber auf Dauer nervt er mit seinen eingefahrenen und radikalen Ansichten gewisser Dinge. Nachmittag, versuche ich die H. zu erreichen. Rufe dann T. an, um zu fragen, wie es in Berlin war. Treffen uns auf der Country-Insel. S. fährt mit. Unterhalte mich gut. Um 00:00 Uhr zu Hause. Sonntag fast nur geschlafen. Heute mit S. bei M. Haare schneide. Soll ja bei zunehmenden Mond (Oh Oh!) gut sein. Freitag hat Hr. K. von der Fa. Serigrafia angerufen, und mir mitgeteilt, dass ich im August anfangen kann. Da die Firma im 10. Bezirk ist, habe ich gestern einen alternativen Anfahrtsweg zur A23 ausprobiert. Ging ganz gut. Hoffe, dass es jobmäßig jetzt wirklich was wird. Möchte mir doch noch etwas sparen, um einige Dinge anzuschaffen. Und außerdem und überhaupt, zu Hause gibt es nicht wirklich viel zu tun. Zumindest, was mich irgendwie ausfüllt. Eines ist momentan nicht mehr da. Das Gefühl, Dinge zu tun, nur um irgendwas zu tun und um mich zu beschäftigen. Eigentlich würde ich jetzt viel lieber öfter wegfahren (Tour!), doch ein bisschen Vernunft spielt auch bei meinem jetzigen Lebensstil eine Rolle. Man (Frau) hat doch eine gewisse Verantwortung als alleinerziehende Mutter. Speziell wenn sonst niemand für S. da ist. Doch diese kleinen Abstriche sind nicht so tragisch, wenn ich sehe, wie gut es ihn eigentlich, im Gegensatz zuvor, geht. Würde mir wünschen, die kommenden Teenagerjahre, so problemlos zu erleben. Bevor wir heute zu M. gefahren sind, stand in unserer Gasse, ein Mann, der R. sehr ähnlich war. Furchtbar! Sehe in der Großstadt Wien eine Fatamorgana. Dieses Wunschdenken, kann einen, wenn man nicht aufpasst, in den Wahnsinn treiben. Sellerie, mein Herz spricht. Glaube nicht, dass ich schon fähig bin, meiner großen Liebe, gegenüber zu treten ohne, dass ich dabei ausflippe. Es genügen ja schon die Gedanken an ihn, dass ich total hormonmäßig durcheinander komme. Ja, wenn man an einer chronischen Infektion leidet, sollte man den Virus, der die Krankheit dazu auslöst, so gut wie möglich meiden. Es gibt nur zwei Möglichkeiten den Ausbruch zu vermeiden – eine neue Liebe (?) – oder ihn nie wieder zu sehen. Momentan glaube ich, gibt es da keine Alternative. Aber diese Akzeptanz und die Vereinbarung mit mir macht es möglich unbelasteter damit um zugehen. Die quälenden Fragen nach dem Warum und Wieso stehen nicht mehr so im Vordergrund. Es ist irgendwie so, als ob man sagt, er lebt in einer anderen Welt, und trotzdem ist er bei mir. Ganz tief in mir. Vielleicht ist das, dass was viele meinen – die erste liebe vergisst man nicht. Sie bleibt in einem drin, wie all die anderen Gefühle, ob positiv oder negativ. Es ist jetzt ein angenehmes Geschwür. Es ist da, aber es schmerzt nicht.
Mo.13.07.1998
Eine Woche hackeln in der neuen Firma im 10. Bezirk. Ich bin froh, wieder arbeiten zu gehen. Es ist jedoch im Lebensrhythmus einiges anders. 05:30 Uhr aufstehen, frühstücken; spätestens 06:45 Uhr Abfahrt. 30 km mit dem Auto. Fahrzeit zwischen 45 und 60 Minuten, je nach Verkehrslage. 07:45 Uhr – 16:45 Uhr Arbeitszeit. Ca. 18 Uhr zu Hause. Der Haushalt macht keine Probleme. Meine Musestunden mit Musik und Briefe schreiben sind eingeschränkt, aber ich möchte darauf absolut nicht verzichten. Am Freitag bin ich nach Buchschachen zum F. gefahren. Vorher war noch F.J. kurz da. Er wäre gerne mitgefahren, aber seine derzeitige feminine Hälfte machte Troubles. Am Samstag ca. um 15 Uhr mit F. in Wiener Neustadt am Flugfeld. Einlass ca. 17:00 Uhr. Superplatz gehabt. Das Konzert der Rolling Stones beginnt um 21:30 Uhr. Spitzenshow, Spitzenmusik, einfach spektakulär. Ca. 23:45 Uhr aus. Nach längeren verirrten Fußmarsch, ziemlich lang auf Taxi gewartet, um zum Auto zu kommen. Um 5 Uhr früh im Gasthof angelangt. Mittags kurz gefrühstückt. F.J. ruft um 13:30 Uhr an. 13:45 Abfahrt, 15:30 Uhr zu Hause. Heute bin ich ziemlich grantig. Mag es die Anstrengung der vergangenen Tage sein, oder weil ich die Regel habe, zu wenig Schlaf. Oder ganz einfach wieder das Gefühl, mit niemand reden zu können. Einfach das Erlebte erzählen, von der Arbeit quatschen usw. – einfach die Schulter zum Anlehnen haben. Fallen lassen, kuscheln, festhalten, wohl fühlen, Geborgenheit spüren. Möchte nicht unzufrieden sein. Habe in letzter Zeit doch wieder einiges erreicht und gemacht, was ich mir vorgenommen und gewünscht habe. Doch es kann halt dieses fehlende Gefühl nicht ersetzen. Ist das, der Preis für die Freiheit? Es muss doch auch Beides unter einen Hut zu bringen sein. Gemeinsam mit jemand (am liebsten natürlich nach wie vor – R.) dieses Leben genießen. Gegenseitig stützen und ergänzen. Versuche meine offene, aufgeschlossene und ehrliche Linie beizubehalten, um nicht wieder auf die Schnauze zu fallen Nur die Leute (manche) machen es einem nicht immer ganz leicht. Meine Überzeugung vom Positiven kommt dadurch manchmal ins Wanken und ich werde ziemlich misstrauisch. Vielleicht bin ich wieder einmal nur zu ungeduldig. Aber es nervt halt manchmal, mit manchen Leuten reden zu wollen und es kommt nichts zurück. Manchmal glaube ich wirklich, nicht für ein geregeltes geordnetes Leben geboren zu sein. Gewisse Verpflichtungen widersprechen ganz einfach meiner Einstellung zu manchen Dingen. Dieses Defizit an Ansprache und Aussprache belastet mich zeitweise schon. War das vielleicht dasselbe, was R. vermisst hat, und vielleicht geglaubt hat, bei mir, mit mir gefunden zu haben? Wir wisse es nicht so genau. Es kann aber durchaus möglich sein. Jetzt geht diese blöde Fragerei schon wieder los. Das Aufstellen von Spekulationen. Man (Frau) macht sich halt so seine Gedanken. Sie werden sicherlich nicht umsonst sein. Habe bis jetzt immer noch irgendwie eine Lösung für mich gefunden. Zumindest, um eine Zeit lang, damit zu kommen.
So. 19.07.1998
Es ist 02:30 Uhr früh. Obwohl ich nach der zweiten Arbeitswoche am Freitag ziemlich geschafft nach Hause gekommen bin, und nur mehr mein Bett herbeigesehnt habe, kann ich jetzt nicht schlafen. Gedanken wurschteln sich durch meinen Kopf. Erlebnisse vom vergangenen Sommer (OBK-Tour) werden hervor gekramt. Genau vor einem Jahr war ich in Innsbruck. Damals um diese Zeit habe ich H. kennengelernt. Heute höre und sehe (Briefe) ich von ihm schon seit einiger Zeit nichts mehr. Irgendwie schade. Schreibe doch so gerne Briefe. Aber so wie es scheint, hat er die paar Tage Winter, wo ich bei ihm auf Besuch war, nicht verkraftet. Sellerie. Aber von meiner Seite betrachtet, ist es ganz gut so. Weil die Gefühle, die ich damals geglaubt habe, zu empfinden, die entpuppten sich meiner Meinung nach, als sogenanntes Strohfeuer. Ja, wenn man auf Liebesentzug ist, kann das schon mal passieren. Es macht mich nicht traurig, nur um eine Erkenntnis, auf diesem Gebiet, reicher. Im Großen und Ganzen vertraue ich auf meine Gefühle. Ich glaube, dass ist mein großes Plus. Dieses Vertrauen, macht mich bei so manchen Entscheidungen stark. Ohne diesen Glauben könnte ich nicht mehr positiv denken. Da mir mein Leben sowieso schon so manchen Streich gespielt hat, möchte ich mir nicht noch mehr alles durch komplizierte Überlegungen und Grübeleien erschweren. Auch wenn durch die Arbeit sich mein Rhythmus wieder verändert hat, möchte ich weiterhin, nicht so leben, wie die meisten anderen Leute. Momentan muss ich halt nur schauen, das finanzielle Chaos etwas in den Griff zu bekommen. Hoffe doch mit dem neuen Job, das zu schaffen. Das andere Defizit in meinem jetzigen Stadium ist natürlich auch etwas, worüber ich doch etwas unzufrieden bin. Es fehlt ganz einfach die Nähe zu einem Menschen. Man würde sich schon mit ein paar Stunden zufrieden geben, aber man weiß ja, dass das auch nicht alles ist. Für den Augenblick kann es ganz gut sein, doch nachher ist die Leere wieder da. Es ist daher sicher nicht verwunderlich, wenn durch das Gewirr meiner Gedanken, plötzlich immer wieder ein Mensch auftaucht. Er verkörpert all das, was mir zurzeit abgeht. Werde ich diese Sehnsucht jemals auslöschen können? Es gibt immer wieder Dinge, die mich an ihn erinnern. Einer der großen Kunden in meiner jetzigen Firma, ist in Wünschendorf, Gleisdorf, Steiermark beheimatet. Dort, wo ich mit R. am Reiterball war. Dort wo seine Heimat ist. Ist es ein Zufall, oder ist es ganz einfach nur meine Denkreise? In der ich immer irgendwelche Verbindungen, Zusammenhänge sehen will. Wo ich immer irgendwelche Brücken baue. Für mich gibt es da anscheinen immer irgendwelche Abhängigkeiten voneinander. Sind unabhängige Tatsachen für mich überhaupt nicht möglich? Gibt es nichts, wo ich ganz einfach sage, das ist jetzt so, wie es nun halt sein muss? Bin ich zu naiv, zu unreif, denke ich wie ein Kind, dass auch immer tausend Fragen hat, oder bin ich zu intelligent? Es ist seltsam, wenn man auf der einen Seite, total auf sein Innerstes hört, und oben im Schädel sich die Gedanken gegenseitig fertig machen. Zu diesem Thema, habe schon einmal in Gedichtform Stellung genommen. Wahrscheinlich ist es o.k. Es funktioniert ja ganz gut so für mich. Es gibt halt Dinge im Leben, die kann man nicht beeinflussen. Eigentlich sollte der Wunsch bei R. zu sein, anders lauten. Weil, dass ich ihn über alles liebe, ist klar. Ich kann eigentlich nur davon träumen, dass er mich liebt. So liebt, wie ich ihn. Aber das ist eine andere Geschichte. Möchte doch noch in diesen Leben, das Gefühl spüren, wenn jemand vor dir Respekt hat, dich so akzeptiert wie du bist, dir jeden Wunsch von den Augen abliest usw. Alles Andere wäre dann viel einfacher und schöner. Es wird halt schon seine Richtigkeit Haben, wen man als Mensch, immer irgendwelche Wünsche und Ziele hat. Ich glaube, sonst würde man ja irgendwie nicht weiterkommen. Versuche mir halt nichts vor zu zumachen. Tatsache ist es nun einmal, dass ich halt meine Gefühle nicht ganz unter Kontrolle habe. Aber ich glaube, ich will sie gar nicht so in den Griff bekommen. Weil dadurch, komme ich mir unehrlich zu mir selber vor. Somit lasse ich ihnen meist feien Lauf. Unterdrückte Sehnsüchte erzeugen nur Frust. Irgendwo muss man das Alles raus lassen. Wenn ich das Ganze schon niemand sagen kann, so schreibe ich es wenigstens auf. Es ist leichter so mit der Einsamkeit um zugehen. Und nicht nur das. Es wird eines Tages, wenn ich relativ alt und grau geworden bin, sehr witzig sein, all das zu lesen. Dann, wenn der Mensch, neben mir liegt, der vor mir kniet. Dann, wenn es nicht mehr so viele Fragen gibt. Außerdem ist durch die Schreiberei die Müdigkeit wieder eingekehrt. Nachdem ich mir verbotener Weise einige Zigaretten im Schlafzimmer gegönnt habe, glaube ich jetzt, wie einschlafen zu können. Die wilden Träume vom süßen Leben warten schon auf mich. Es fehlt mir zwar nicht alles zu einem glücklichen Leben, doch es ist ein wesentlicher Teil. Es kommt halt nur drauf an, wie viel Bedeutung darauf legt.
Bluesanne - 12. Nov, 22:20
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